Synästhesie - Wenn Töne zu Farben werden

  • Synästhesie, griechisch syn (zusammen, Einheit) und aisthesis (wahrnehmen, empfinden). Das Wort Synästhesie beschreibt, verschiedene sinnliche Gedankenformen auf einmal wahrzunehmen und mit Emotionen zu verbinden.
  • Synästhesie ist ein Wahrnehmungsphänomen, bei dem bestimmte Sinneseindrücke Hirnareale aktivieren, die normalerweise nicht von diesen Sinneseindrücken stimuliert werden. Es entsteht dadurch ein zusätzliches Sinneserlebnis und ist ein sehr heterogenes Phänomen, bei der z.B. Musik ein Zahlen- oder Farberleben auslösen kann. Die Wissenschaft beschreibt meist die audition colorée, das sogenannte Farbenhören, welches bei jedem andere Formen annimmt.
  • Synästhesie ist eine Normvariante. Ursächlich ist eine verstärkte funktionelle Koppelung zwischen unterschiedlichen Hirnregionen. 
  • Synästhesie verursacht ein verstärktes Sinneserleben und kann mit überdurchschnittlicher Kreativität und
    Gedächtnisleistung einhergehen (s. Metaanalyse unten).

 

Beispiele für Künstler mit Synästhesie: Lady Gaga, Pharrell Williams, Franz Liszt, Vincent Van Gogh, Gustav Klimt, Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Jimmy Hendrix, Billy Joel, Olivier Messiaen, Lorde, Billie Eilish, Hans Zimmer, Hélène Grimaud.

Weitere Synästhetiker/innen: Nikola Tesla, Richard Feynman, J.W. v. Goethe, Arthur Rimbaud, Carlo Karges, Richard Wagner.

Weitere Quellen zu Synästhesie:

Deutsche Synästhesie Gesellschaft e.V. : Was ist Synästhesie? Link hier.

Universität Zürich: Synästhesie. Link hier.

Metaanalyse  Gedächtnisleistung bei Synästhesie. Link hier.

Weitere Quellen Link hier sowie s. Text unten.

Mit freundlicher Genehmigung von Listening In 

Die meisten Menschen können sich beim Musikhören etwas vorstellen. Aber was ist mit Farben? Es gibt Künstler, die Synästhesie erleben und Farbe mit Klang verbinden. Messiaen war ein Künstler mit Synästhesie. Das Verständnis ihrer Wahrnehmungsweise kann uns ein besseres Verständnis ihrer Kunst vermitteln.

Weitere Quellen zu Synästhesie:

Beeli, G., Esslen, M., & Jancke, L. (2005). Synaesthesia: when coloured sounds taste sweet. Nature, 434(7029), 38.

Beeli, G., Esslen, M., & Jancke, L. (2008). Time course of neural activity correlated with colored-hearing synesthesia. Cereb Cortex, 18(2), 379-385.

Caroline Curwen, Music-colour synaesthesia: Concept, context and qualia, Consciousness and Cognition, Volume 61, 2018, Pages 94-106,

Hanggi, J., Beeli, G., Oechslin, M.,& Jancke, L. (2008). The multiple synaesthete E.S. - Neuroanatomical basis of interval-taste and tone-colour synaesthesia. Neuroimage.

Rouw, R. & Scholte, H. S. (2007). Increased structural connectivity in grapheme-color synesthesia. Nat Neurosci, 10(6), 792-797.

Saenz, M. & Koch, C. (2008). The sound of change: visually-induced auditory synesthesia. Curr Biol, 18(15)(15), R650-1.

Tang, J., Ward, J., & Butterworth, B. (2008). Number Forms in the Brain. J Cogn Neurosci.

Ward, J. (2007). Acquired auditory-tactile synesthesia. Ann Neurol, 62(5), 429-430.

Ward, J. & Mattingley, J. B. (2006). Synaesthesia: an overview of contemporary findings and controversies. Cortex, 42(2), 129-136.

Ward, J. & Simner, J. (2005). Is synaesthesia an X-linked dominant trait with lethality in males? Perception, 34(5), 611-623.