Die Anlage zur sinnesreichen verknüpften Wahrnehmung hat jeder Mensch. Dazu gibt es Forschungen zum Beispiel vom Hirnforscher Allan Snyder und Psychiater Darold A. Treffert. Beide sagen, jeder hat das Potenzial zu synästhetischen Wahrnehmungen sowie zu savantartigen Begabungen (Inselbegabungen).

 

Darold A. Treffert leitet diese Annahme von Veränderungen nach traumatischen Erlebnissen ab, welche die Wahrnehmung völlig verändern können, und zwar so weit, dass Begabungen auch auf Wunderkind-Niveau auftreten können, z.B. nach epileptischen Anfällen, so bei Daniel Tammet (Tammet, Elf ist freundlich und Fünf ist laut - Ein genialer Autist erklärt seine Welt, Düsseldorf 2008).

Daniel Tammets Synästhesie hängt eng mit savantartigen Begabungen zusammen. Dies ist aber nicht bei jedem Synästhetiker so. Daniel Tammets savantartigen Bagabungen ergeben sich dadurch, wie er sich die Synästhesie zunutze macht, die sowohl Vor- als auch Nachteile aufweist. Er nutzt seine Synästhesie auf eine ganz eigene Art und schreibt in seiner Bucheinleitung "Die Poesie der Primzahlen: " Sie fragen sich, wie es wohl ist, Wörter und Zahlen in verschiedenen Farben, Formen und Texturen wahrzunehmen. Sie versuchen sich vorzustellen, mithilfe dieser vierdimensionalen farbigen Formen Summen zu ziehen. Sie suchen dieselbe Schönheit und Emotion, die ich in einem Gedicht wie in einer Primzahl finde. Was soll ich Ihnen antworten? Imagine!"

Die Synästhesie bezeichnet im Wesentlichen die Kopplung zweier oder mehrerer physisch getrennte Modalitäten der Wahrnehmung. Der Begriff Synästhesie setzt sich aus den griechischen Wörtern syn (= zusammen) und aisthesis (= Empfindung) zusammen. Synästhesie bedeutet so viel wie Sinnesverschmelzung. Synästhesie kommt durch Verflechtung von Sinnesmodalitäten zustande und ist individuell unterschiedlich und einzigartig. Jeder Synästhet erlebt sie anders. Keine synästhetische Form gleicht exakt einer anderen. Dies betrifft die Verbindung von Farbe und Temperatur, Musik, Ton und Räumlichkeit. Im engeren Sinne ist Synästhesie die Wahrnehmung von Sinnesreizen durch miterregte Verarbeitungszentren eines Sinnesorgans im Gehirn, wenn ein anderes Organ gereizt wird. Durch das Trainieren der mentalen Bilder, können sinnliche Fähigkeiten entwickelt werden, die das menschliche rationale Vermögen zu übersteigen scheinen. Dies kann auch eine Hilfestellung sein, um den Alltag leichter bewältigen zu können, um darüber hinaus kreativen Denken Raum zu geben. „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat.“ A. Einstein

Bei diesem Training hilft vielfach die Musik. Durch akustische Stimulation kann eine bestimmte mentale Entspannung und eine spezielle Atmosphäre wahrgenommen werden, verbunden mit einer Landschaftsform - das Zuhausesein (als geistige Haltung). Bei der häufigsten Form der Synästhesie nehmen die Betroffenen Gehörtes – wie Sprache, Musik oder Geräusche – unwillkürlich zusammen mit Zweitempfindungen (sog. Photismen) wahr. Bei diesen Photismen kann es sich um Farben, geometrische Formen oder Farbmuster handeln. Den ursprünglichen Auslöser, also den über das Ohr als Sinnesorgan wahrgenommenen Reiz, und die optischen Zweitempfindungen erleben die Betroffenen als Einheit, miteinander verschmolzen. 


Die Spontanität, mit der ganz selbstverständlich Lösungen auftauchen, ist ein herausragendes Merkmal besonderer Bewusstseinsformen. Die Vorstellungskraft ist gefordert, wenn es um subjektive Wahrnehmungen geht. Tammet beschreibt: "Ich kann jede Primzahl bis 9973 an ihrer "kieselsteinartigen" Beschaffenheit erkennen." Diese von ihm wahrgenommene Beschaffenheit bildet seine Inselbegabung, denn dadurch löst er Rechenaufgaben auf eine andere Art und Weise. "Wenn ich eine Zahl durch eine andere teile, sehe ich vor meinem inneren Auge eine Spirale, die sich in immer größer werdenden Windungen und Schleifen nach unten schraubt. Unterschiedliche Divisionen erzeugen unterschiedlich große Spiralen mit unterschiedlich verlaufenden Kurven. Durch meine mentale Bilderwelt kann ich eine Rechenaufgabe wie 13:97 (0,1340206...) bis auf fast 100 Dezimalstellen genau berechnen. Ich schreibe beim Rechnen nie etwas auf, weil ich die Aufgaben schon immer im Kopf rechnen konnte, und es ist viel leichter für mich, mir die Lösung mithilfe meiner synästhetischen Formeln vorzustellen, als die Techniken anzuwenden, die in den Schulrechenbüchern gelehrt werden. Wenn ich eine Multiplikation durchführe, sehe ich die beiden Zahlen als verschiedene Formen. Das Bild verändert sich, und eine dritte Form taucht auf - die richtige Lösung. Das dauert nur Sekunden und geschieht ganz spontan. Es ist, als würde man rechnen, ohne nachdenken zu müssen." (Tammet, Elf ist freundlich und Fünf ist laut)

Die mentalen Wahrnehmungen können vielfältig sein und zwischen Synästhesie und Halluzinationen ist es oftmals schwer eine Grenze zu ziehen. Die Grenzen verschiedener Bewusstseinsformen können verschwimmen und sind fließend.  Wer seine besondere Bewusstseinsform erlebt, beschreibt dies oft folgendermaßen: "Es ist, als würde man in seinem geheimen Garten ankommen." So berichten Synästhetiker, dass man das Gefühl hat nach langer Suche endlich zu Hause angekommen zu sein. Ein Beispiel für das Gefühl geben die Musik und Lyrics der folgenden Videos mit dem Titel "Secret Garden" und "Sky Castle".

 


"Wer nicht gelegentlich auch einmal kausalwidrige Dinge zu denken vermag, wird seine Wissenschaft nie um eine Idee bereichern können." Max Planck

„Wenn Du das Universum verstehen willst, dann denke in Kategorien wie Energie, Frequenz und Vibration!“ Nicola Tesla